PARADJANOW – MANDELSTAM – BITOW – HILSENRATH – U.A.

Armenien wird mit vielen Legenden in Verbindung gebracht. Die bekannteste stammt aus biblischer Zeit. So heisst es, auf dem Ararat, dem heiligen Berg, der heute in der Türkei liegt, sei die Arche Noah nach der Sintflut gelandet. Die Jahrtausende alte christliche Tradition des Landes hat ihre Spuren hinterlassen.
Bedeutende Kirchenbauten prägen noch heute die gebirgige Landschaft (siehe Vortragsreihe im Goetheanum ab 4.11.).

Doch auch jenseits der Religion beschwören Schriftsteller, Komponisten und Filmemacher auf poetische Weise die Geschichte ihres Landes herauf. So hat Sergej Paradjanow in seinen Filmen eine unverwechselbare Bildsprache von atemberaubender Schönheit geschaffen (siehe Retrospektive im Stadtkino ab 3.11.). Sein Meisterwerk «Die Farbe des Granatapfels» zeigt das Leben des armenischen Troubadours Sayat Nova, dessen Lieder die armenische Musiktradition in hohem Masse geprägt haben.

Zur traditionellen armenischen Musik gehört noch heute als wichtigstes Instrument das Duduk, unser «Instrument in residence», das Gevorg Dabaghyan in Solo- und Triokonzerten sowie Workshops in Basel, Zürich, Bern und Genf vorstellt (siehe 8./9./10./19. und 20.11.).

Der melancholische Klang des Instruments scheint auf einzigartige Weise in der Lage zu sein, die leidvolle und tragische Geschichte der Armenier auszudrücken. Das während des Festivals präsentierte Repertoire reicht von mittelalterlichen religiösen Hymnen über Lieder von Sayat Nova und Komitas zu Werken aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Die Dichter Ossip Mandelstam und Andrej Bitow sind zu verschiedenen Zeiten durch Armenien gereist, doch beide waren sie auf der Suche nach einem versunkenen
Paradies. Seinen letzten Spuren begegneten sie oft an den ungewöhnlichsten Orten und in den kleinsten Details. Ihre Reisen an den Ursprung der Kultur wurden
so immer wieder zu Reisen in die Ursprünglichkeit der sinnlichen Wahrnehmung (siehe Lesungen am 8.11. und 13.11.).