Grusswort von Frau Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey
Festival „Culturescapes“ in Basel, 14. November – 6. Dezember 2007
Nach Georgien, der Ukraine, Armenien und Estland widmet sich das Festival „Culturescapes“ in diesem Jahr Rumänien, und ich begrüsse diese Initiative von ganzem Herzen.
Die östliche und die westliche Hälfte Europas sind schon seit vielen Jahren nicht mehr voneinander getrennt, doch es braucht viel Zeit, um Kontakte wiederaufzubauen, die so lange unterbrochen waren oder sich zumindest sehr weitgehend gelockert hatten. „Culturescapes“ hat es sich nun dankenswerterweise zur Aufgabe gemacht, diese Kontakte wieder zu beleben.
Trotz dieser zeitgeschichtlichen Umstände haben die kulturellen Beziehungen zwischen Rumänien und der Schweiz eine lange Tradition, und sie sind immer sehr eng gewesen. Davon zeugt nicht nur das 1861 gegründete „Schweizer Haus“ in Bukarest, sondern auch der seit Jahrzehnten anhaltende Erfolg der traditionellen rumänischen Musik in unserem Land – wie übrigens in der ganzen Welt. Auch die Tatsache, dass es eine Sprache gibt, die wir fast eine gemeinsame nennen können, hat mit Sicherheit dazu beigetragen, dass unsere kulturellen Beziehungen so eng geworden sind. Rumänien beruft sich von jeher auf seine romanischen Wurzeln, und dies erklärt seine ausgeprägte Vorliebe für das Französische, eine der vier Landessprachen der Schweiz.
Drei Wochen lang wird „Culturescapes“ nun Grenzüberschreitungen zeigen, und zwar geistige wie physische: in Theaterstücken, Lesungen, Konzerten, Ausstellungen, Filmen und Vorträgen. Im Mittelpunkt jedoch steht die Musik, die universelle Sprache. Die Veranstaltungen finden nicht nur in Basel, sondern auch in anderen Schweizer Städten sowie in der deutschen Nachbarregion statt. Vergessen wir nicht, dass die Regio Basiliensis schon 1963 als grenzüberschreitendes europäisches Projekt ins Leben gerufen wurde.
Es ist also durchaus folgerichtig, dass sich „Culturescapes“ in Basel niedergelassen hat: Diese Stadt zeichnet sich seit unvordenklichen Zeiten durch Offenheit und kulturelles Engagement aus. Stellvertretend für viele andere möchte ich hier nur Erasmus von Rotterdam nennen, der die humanistische und ökumenische Tradition der Stadt am Rhein verkörperte. Die Geschichte Basels
und die Rumäniens sind sehr stark geprägt durch ihre Lage an einem Fluss. Der Rhein und die Donau kommen einander in ihren Oberläufen sehr nahe, und beide haben zur Verbreitung der europäischen Idee beigetragen. Bekanntlich sind ja Flüsse nicht nur Verkehrswege, sondern auch Quellen von wirtschaftlichem und geistigem Reichtum.
Lassen Sie mich schliessen mit einem Wort des Dankes an die „Seele“ dieses Kulturfestivals – ich spreche natürlich von Jurriaan Cooiman, der uns auch in diesem Jahr wieder auf eine seiner spannenden Reisen in eine Gegend mitnimmt, die für uns weitgehend unbekannt ist. Was Jurriaan Cooiman und Erasmus über all die Jahrhunderte hinweg verbindet, das ist dieser offene und neugierige Geist – und übrigens auch ihre Herkunft aus den Niederlanden, der letzten Etappe des Rheins, der wie die Donau eine Art Zusammenfassung Europas darstellt.
Micheline Calmy-Rey
Bundespräsidentin
CULTURESCAPES
Grußwort Direktor Ioan Holender
Es ist hoch erfreulich, daß diesmal mein Geburtsland Rumänien Mittelpunkt des für eine bessere Verständigung mit Völkern so wichtige Einrichtung wie das Basler Festival Culturescapes ist. Rumäniens Kultur war und ist ein integrierender Bestandteil unserer abendländischen Kulturgeschichte und eine wesentliche Bereicherung dieser.
Insbesonders auf dem Gebiet der Musik, ob klassisch oder folkloristisch, haben rumänische Komponisten vom großen George Enescu bis zu den wichtigen zeitgenössischen Komponisten einen nicht mehr wegzudenkenden Beitrag geleistet. Die Chorensembles von heute aus Rumänien sind führend in ganz Europa, rumänische Instrumentalisten spielen in unzähligen europäischen Orchestern und rumänische Opernsänger treten auf allen großen Bühnen der Welt auf. Die züricher Dadaisten-Bewegung kommt auch aus Tristan Tzara’s Rumänien, genauso wie die großen Schriftsteller von Paul Celan bis Ana Blandiana.
Als künstlerischer Leiter und Ehrenpräsident des internationalen Musik-Festivals George Enescu, welches alle zwei Jahre in Bukarest stattfindet und als langjähriger Direktor der Wiener Staatsoper, aber vor allem als ein im rumänischen Timisoara geborener und seine Jugend dort verbrachter Kenner und Liebender dieses Landes wünsche ich den Organisatoren, Mitarbeitern und Teilnehmern von Culturescapes in Basel 2007 viel Erfolg und einen großen Wiederhall ihrer wichtigen Tätigkeit.
Ioan Holender
Direktor Wiener Staatsoper
Direktor des Musikfestivals George Enescu