Bildende Kunst
In Estland sagt man, der Titel der Ausstellung stamme von dem dort berühmten Dichter und Surrealisten Ilmar Laaban, der, ebenso wie Alalooga und Sepp, Doppeldeutigkeiten liebte. Bei solch finsteren Skulpturen scheinen die Betrachtenden das eine oder andere ihrer Glieder zu verlieren... oder zumindest jedes Gefühl für körperliche Sicherheit. Gefahr verkauft sich, bis Disneyland zur Hölle wird.
Symposion
Vor gut 15 Jahren, am 20. August 1991, hat sich Estland für unabhängig erklärt. Das Land war bis dahin seit dem Zweiten Weltkrieg – mit einer Unterbrechung unter Naziherrschaft zwischen 1941 und 1944 – eine Sowjetrepublik und von Moskau ferngesteuert.
Seit 1991 hat Estland eine atemberaubende Entwicklung durchgemacht und sich von einer Plan- zu einer Marktwirtschaft gewandelt. Bei der Anwendung neuer Informationstechnologien ist Estland weltweit eines der fortschrittlichsten Länder – eine Rolle, die dem Land vor 15 Jahren niemand
zugetraut hätte. Auch die liberale Wirtschaftsverfassung wird von vielen Experten als zukunftsweisend gelobt.
Dennoch leben in Estland noch weitgehend dieselben Menschen wie vor 15 Jahren. Wandel ist zwar etwas natürliches, wird aber von vielen meist nur schwer aufgenommen. Nicht zuletzt deshalb ist auch im heutigen Estland das sowjetische Erbe nicht zu verkennen.
Das Symposion «Wandel und Konstanten – 15 Jahre unabhängiges Estland» soll dieses Spannungsfeld thematisieren. Anhand von Fragen nach den Chancen und Risiken der jüngsten Entwicklung des Landes, nach den Mentalitäten, der Kultur, der Erinnerung und dem Umgang mit dem grossen östlichen Nachbarn Russland, der umfangreiche, weitgehend nicht integrierte
Bevölkerungsteile im Land zurückgelassen hat, soll versucht werden, das Estland der vergangenen 15 Jahre zu fassen und zu charakterisieren. Abschliessend soll auch der Bogen zur unabhängigen Zwischenkriegsrepublik (1918–1940) geschlagen werden.

