Musik
Zur Eröffnung von Culturescapes stellt das estnische Ensemble Hortus Musicus Musik aus Hansestädten verschiedener Zeiten und Länder vor. Der Hansehandel war nie nur auf Austausch von kommerziell-wirtschaftlichen Waren beschränkt, sondern schloss auch kulturelle Werte mit ein. Hortus Musicus, bestehend aus zehn Instrumentalisten unter der Leitung von Andres Mustonen, präsentiert seit seiner Gründung 1972 alte und zeitgenössische Musik auf alten Instrumenten.
Das Ensemble Phoenix Basel, eine Gruppe von bis zu 25 Musikerinnen und Musikern, setzt sich seit seiner Gründung 1998 gezielt für zeitgenössische Musik ein. Im In- und Ausland sucht das Ensemble die Zusammenarbeit und Auseinandersetzung mit renommierten, aber auch mit noch wenig bekannten KomponistInnen unserer Zeit. Im Gare du Nord stellen die Musiker Werke der
bedeutendsten jungen KomponistInnen Estlands vor.
Am 18.11. um 10 Uhr findet im Gare du Nord eine öffentliche Generalprobe in Anwesenheit von Tanja Kozlowa, Helena Tulve und Erkki-Sven Tüür statt. In das Konzert führt der Dirigent Jürg Henneberger ein.
Der 1981 gegründete Estnische Philharmonische Kammerchor geniesst seit fast 20 Jahren weltweit einen herausragenden Ruf. Er verfügt über ein breites Repertoire vom gregorianischen Choral bis zur Musik des 20. Jahrhunderts. Im Rahmen von Culturescapes gestaltet der Chor drei grosse Konzerte mit vielen Werken von Arvo Pärt, dem bedeutendsten Komponisten Estlands und langjährigen Wegbegleiter des Chores.
Nikolaus Bruhns (1665–1697), als Violinist und Organist bekannt, schrieb als Schüler von Dietrich Buxtehude seine Orgelpräludien in «norddeutscher» Manier. Seine Werke sind charakterisiert durch quasi musikalische Aphorismen, die eine Verwandtschaft zur Sprache Arvo Pärts erkennen lassen.
Das estnische Vokalensemble Vox Clamantis versucht, in seinen Programmen Zeitgenössisches mit Traditionellem zu verbinden. In Basel präsentieren die Musiker neben Werken von Arvo Pärt zwei neue Kompositionen von Helena Tulve und Toivo Tulev. Tulev (*1958) beschäftigt sich vor allem mit Alter Musik, gregorianischem Gesang und estnischen Traditionsmelodien, doch verarbeitet er diese so, dass sie im Neuen ihren Platz finden. Tulve (*1972), Preisträgerin des Prince Pierre Foundation Awards 2006, gilt als eine der interessantesten jungen Komponistinnen Estlands. Das Estnische in ihrer Musik macht sie vor allem an der Sprache sowie dem Einfluss der Natur und dem Licht fest.
Paul Hilliers künstlerisches Interesse reicht von der mittelalterlichen bis zur zeitgenössischen Vokalmusik, er singt, lehrt, dirigiert, komponiert und schreibt über Gesang. Man könnte sagen, sein Leben ist Gesang. Hilliers ausgeprägtes Interesse für die Musik von Steve Reich und Arvo Pärt war die Grundlage einer jahrelangen intensiven Zusammenarbeit mit beiden Komponisten.
18.00 | Goetheanum Dornach
An introduction to Arvo Pärts Tintinnabuli-Style
Vortrag von Paul Hillier
1.11.–26.11.06: Fotoausstellung: «On Pärt» von Toivo Tormis im
Goetheanum Dornach
Das 1997 gegründete New Tallinn Trio stellt in seinem Konzert Werke von Mozart und Pärt gegenüber. Arvo Pärts «Mozart-Adagio» von 1992, redigiert 2005, setzt die Mozart’sche Klangfeinheit zur meditativen Klangsuche bei Pärt in ein austariertes Verhältnis. Erkki-Sven Tüür (*1959), in den 1980er Jahren Leiter des Rockmusik-Kammerensembles «In Spe», heute freischaffender Komponist in Tallinn, liebt Grenzgänge zwischen so genannten E- und U-Musik-Stilen. In seinen Werken gibt er dem Minimalismus, improvisatorischen und rockigen Ansätzen grossen Spielraum.
Susanne Doll, Organistin und Kirchenmusikerin, präsentiert in Basel zwei Werke von Arvo Pärt und Erkki-Sven Tüür zusammen mit Gedichten der estnischen Dichterin Kristiina Ehin, die als eine der bedeutendsten poetischen Begabungen der jüngeren Generation gilt. Mit ihrer mühelosen erquikkung von Alltag, Natur und metaphysischer Tiefe hat die Autorin schon jetzt einen eigenen Stil gefunden.
Die Franzosen Serge Bertocchi, Jean-Michel Goury und Pierre-Stéphane Meugé und der Schweizer Marcus Weiss haben 1992 ein Saxophon-Quartett gegründet, um das Repertoire des immer noch «jungen» Instruments zu pflegen, neue Werke anzuregen und historischen Verbindungen nachzugehen. Höchstes interpretatorisches Niveau und seltene Spiellust bringen die Xasax-Solisten aus ihrer grossen Erfahrung als Solisten und Kammermusiker mit.
Siiri Sisask ist einer der beliebtesten und faszinierendsten Stars der estnischen Musikszene. Ihre Songs haben Jazz-Feeling, pendeln zwischen Pop und Folksongs, sind esoterisch, trancehaft, emotional und nebulös. Ihre Instrumentalbegleiter, der estnische Pianist Kristjan Randalu, der Saxophonist, Klarinettist und Flötist Carsten Netz, der Kontrabassist Wlad Larkin und der Schlagzeuger und Perkussionist Bodek Janke beeindrucken durch ihre atemberaubende Vielseitigkeit, durch ständigen Wechsel zwischen lyrisch zurückhaltender Begleitung, aggressiv phrasierender Akzentsetzung und jazzigen Soli.
Erstmals 2006 hat Culturescapes einen Kompositionswettbewerb ausgeschrieben. Ziel ist es, talentierte Komponistinnen und Komponisten zu finden, um sie später längerfristig in einem internationalen Umfeld zu fördern. Dadurch soll auch der Austausch innerhalb Osteuropas weiter ausgebaut werden. Teilnahmeberechtigt waren Komponistinnen und Komponisten ab Jahrgang 1976, die aus Estland, Lettland, Litauen und der Schweiz stammen oder dort ihren festen Wohnsitz haben.








