Theater/Performance
MEHMET LIEBT FRIEDEN / MEHMET LIEBT BARIŞ
MEHMET BARIŞ’I SEVİYOR (Theater)
SO 23.11. 18:00h Kaserne Basel
Mihran Tomasyan / Cıplak Ayaklar Kumpanyası, Istanbul
Doppelabend mit «Hässliches Menschlein» / oyun deposu / Maral Ceranoğlu
Publikumsgespräch im Anschluss an die Doppelvorstellung. Der Titel ist vieldeutig: «Mehmet Barıs’ı Seviyor» bedeutet einerseits, dass Mehmet den Frieden liebt; andererseits wird darin auf eine homosexuelle Beziehung angespielt. Mehmet ist Mehmet Tarhan, ein homosexueller Kurde, der den Wehrdienst in der Türkei verweigert hat und dafür verhaftet wurde.
In rasch aufeinander folgenden Szenen arbeiten die Tänzer/Performer mit einer Handkamera, filmen sich gegenseitig, zitieren Computerkriegsspiele, setzen Flugzeuggeräusche, Heavy-Metal-Musik und Stroboskoplicht ein. Sind einzelne Szenen von einer bedrückenden klaustrophoben Intensität, so gibt es ebenso Momente voll subversiver Komik oder anrührender Emotionen.
Tomasyan interessiert sich für Einzelschicksale, an denen er gesellschaftliche Entwicklungen fest macht. Die Gruppe Cıplak Ayaklar Kumpanyası, was soviel wie «Barfüssige Compagnie» bedeutet, sieht sich als Diskussions- und Experimentierforum für Künstler aus verschiedenen Sparten.
HÄSSLICHES MENSCHLEIN / ÇİRKİN İNSAN YAVRUSU (Theater)
SO 23.11. 19:30h Kaserne
oyun deposu (Maral Ceranoğlu, Ceren Ercan, Yelda Baskın, Gülce Uğurlu, Elif Ürse) / Istanbul
Doppelabend mit «Mehmet liebt Frieden» / Cıplak Ayaklar Kumpanyası
Publikumsgespräch im Anschluss an die Vorstellung.
In türkischer Sprache mit deutschen Untertiteln
Drei Frauen - eine Kurdin, eine Lesbe und eine Frau mit Kopftuch erzählen über ihr Leben in der Türkei. Gemeinsam ist den drei so verschiedenen Frauen eines: alle müssen sich den Vorurteilen und dem Druck der Gesellschaft stellen.
Ihre Geschichten, die reale Erfahrungen wiederspiegeln, werden mit einer zweiten Ebene verwoben, die auf Hans Christian Andersens Märchen «Das hässliche Entlein» basiert. Im Gegensatz zum Märchen, in dem das „Entlein“ nicht über seine Gefühle spricht, beginnen die Frauen die emotionalen Spuren der Machtausübung und des Drucks zu formulieren. Es entsteht ein Theaterabend, der spielerisch leicht Realität und Märchen mit choreografischen Mitteln verbindet.
Die junge Theatergruppe oyun deposu stellt mit ihrem ersten Stück die Frage nach möglichen Lebenskonzepten in Parallelgesellschaften und fordert das Publikum zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung auf.
Weiter Termine:
SA 08.11. 20:30h & SO 09.11. 19:00h Schlachthaus, Bern
DO 13. & FR 14.11. 21:15h Rote Fabrik, Zürich
DER SCHREI DER EURYDIKE / EVRİDİKE’NİN ÇIĞLIĞI (Theater)
SO 30.11. 18h Kaserne (im Anschluss Publikumsgespräch)
DI 02.12. 20h Kaserne
Şahika Tekand / Studio Oyuncuları, Istanbul
In türkischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Der Stoff ist so alt wie das Theater selbst: In Theben tobt ein Bürgerkrieg, in dem sich die Brüder Eteokles und Polyneikes, die beiden Brüder von Antigone, gegenseitig töten. Der neue Herrscher Kreon verbietet, die Leiche des Polyneikes zu bestatten. Doch Antigone stellt ihr eigenes Gewissen über das Gesetz und glaubt, den Göttern mehr gehorchen zu müssen als den Menschen. Sie erhebt sich damit über die Staatsmacht und zieht den furchtbaren Zorn des Herrschers auf sich. Kreon will Antigone für ihren Ungehorsam steinigen lassen, doch sein Sohn Haimon und seine Frau, Eurydike, ergreifen Partei für sie …
«Mit jähen Cuts, Blackouts, Lichtwechseln wird die Tragödie um Religion, Staatsraison und weiblichen Widerstand rasend schnell verdichtet – in einer furiosen Sprach-Licht-Körperchoreographie. (..) als Herrscher Kreon lässt der zungenartistische Akteur Şerif Erol im Schwarzhemd-Look eines fanatischen Kemalisten die politische Demagogie jeder Couleur implodieren. Antigone droht statt des Felsenkerkers die Steinigung, und die neu eingeführte Mutter Eurydike, von der Autorin selbst gespielt, wird mit den Worten Heiner Müllers aus dem Schluss seiner „Hamletmaschine“ zur Rächerin der verfolgten Frauen.“ (Peter von Becker, Tagespiegel, Berlin)
Die Schauspielerin, Autorin, Regisseurin und künstlerische Leiterin der Istanbuler Theatergruppe Studio Oyuncuları, Şahika Tekand, befasst sich seit einigen Jahren intensiv mit den Tragödien des Sophokles. «Evridike’nin Çığlığı» ist der letzte Teil einer Trilogie.



